Herhof braucht die SCA

Dreck den keiner will soll in Witzenhausen verbrannt werden!

Heute in der Witzenhäuser Allgemeinen:

SCA will Planungssicherheit
Reaktion auf FWG-Vorstoß: Bio-Gasanlage keine Alternative


WITZENHAUSEN. „Die Bürger müssen wissen", erklärte SCA-Geschäftsführer Jörg Goetze, „ob sie die Umwandlung des Gelstertals vom Gewerbe- zum Industriegebiet verhindern und damit die Entwicklungsfähigkeit und den dauerhaften Verbleib des Unternehmens in Frage stellen wollen."Angesichts der derzeit schon von SCA und Procter & Gamble betriebenen Anlagen sei rechtlich die Umwandlung des Gewerbegebiets in ein Industriegebiet notwendig.

„Soll dieser Standort gesichert und weiterhin entwicklungsfähig bleiben, sind wir - jenseits der Debatte um ein Heizkraftwerk - auf die Umsetzung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung angewiesen. Daran ändert auch die bestehende Ausnahmegenehmigung nichts, denn sie regelt lediglich die Bestandssicherung und jede Erweiterung bedingt wieder eine Ausnahmegenehmigung", so Goetze weiter.

Das geplante Bürgerbegehren dürfe keinen Erfolg haben. Für die Menschen hier vor Ort „wäre dann viel verloren, für die Umwelt aber nichts gewonnen." Die zur weiteren Begründung des Bürgerbegehrens herangezogenen Behauptungen der Bürgerinitiative die 180 Arbeitsplätze bei SCA seien ohne das Heizkraftwerk nicht gefährdet, sei unrichtig erklärte Goetze. Das Gegenteil sei der Fall. „Wir brauchen das mit klimafreundlichem Ersatzbrennstoff (Trockenstabilat) betriebene Heizkraftwerk, das sowohl ökologischen Ansprüchen als auch ökonomischen Erfordernissen gerecht wird.Wir brauchen dringend eine deutliche Reduzierung der Energiekosten." Eine Biogas-Anlage - wie vorgeschlagen - stellt aus Sicht des Unternehmens keine Alternative dar: „Als energieintensives Unternehmen können wir mit einer Biogas-Anlage unseren Energiebedarf nicht decken, da es eine Biogas-Anlage in der für uns nötigen Größenordnung nicht gibt." (EG)


Dazu gaben Philipp Schmagold und Wolfhard Austen folgende Pressemitteilung ab:

Pressemitteilung
Welche Rolle spielt die SCA im Müll-Monopoly?
Es geht um den Restmüll von über 2 Millionen Menschen!

30.5.2003: Informationsveranstaltung der SCA-Witzenhausen für Kommunalpolitiker und andere. Ein 20 Jahre altes Gaskraftwerk soll durch ein Ersatzbrennstoffkraftwerk ersetzt werden. Ziel: Energiekostenersparnis von 85 %.

22.8.2003: Die SCA-Konzernleitung lässt auch den 3. Termin verstreichen, ohne zu entscheiden, ob in Witzenhausen ein Ersatzbrennstoffkraftwerk gebaut wird.

24.8.2003: Die SCA-Konzernleitung begründet die ausgebliebene Entscheidung vom 22.8. mit der bisher erfolglosen Suche nach einem Investor für die Anlage in Witzenhausen.

Bis heute folgen weitere Meldungen, die zwar die Bereitschaft der SCA erkennen lassen, dass auf dem Gelände Ersatzbrennstoffe verbrannt werden können, aber die SCA will weder eine Garantie für die Abnahme der Energie, noch für den Verbleib der Produktion in Witzenhausen geben.

Im heutigen Artikel „SCA will Planungssicherheit“ tut man nun so, als ob die Zukunftsfähigkeit der SCA von dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung abhängig ist. Ohne eine Reduzierung der Energiekosten seien die 180 Arbeitsplätze gefährdet.

Doch worum geht es eigentlich wirklich? Eine Antwort gibt ein Artikel, der in diesen Tagen in der HNA, Regionalausgabe Hofgeismar, erschienen ist. Darin gibt die Firma Herhof, die Hauptlieferrant der Witzenhäuser Brennstoffe sein soll, zum ersten mal öffentlich zu, dass sie das Stabilat bis zur Fertigstellung der Anlage in Witzenhausen zwischenlagern will. In Witzenhausen soll das Stabilat aus drei Herhof Anlagen (Mecklar, Trier und Osnabrück) verbrannt werden. Herhof hatte schon immer Probleme Abnehmer für das Stabilat zu finden. Der Artikel beweist, Herhof hat keinen anderen Abnehmer für sein Stabilat, als die zukünftige Anlage der SCA in Witzenhausen und sie wird auch keinen finden, weil es genug andere Ersatzbrennstoffe gibt, die wegen ihrer Sortenreinheit wesentlich einfacher und mit einem geringeren Schadstoffausstoss zu verbrennen sind. In Witzenhausen soll also der Dreck, den kein anderer haben, will verbrannt werden!!!

Sollte aus dem Bau der Anlage in Witzenhausen nichts werden, haben drei Regionen in der Müllverwertung auf das falsche Pferd gesetzt. Ein politisches Fiasko droht! Das heisst im Ergebnis: Die Entsorgung des Restmülls von mehr als 2 Millionen Menschen ist von der Anlage in Witzenhausen abhängig.
Die SCA ist im Müll-Monopoly also nur Mittel zum Zweck.
Dass man jetzt die 180 Arbeitsplätze bei der SCA in der Form ins Spiel bringt, dass sie ohne das Ersatzbrennstoffkraftwerk, akut gefährdet sind ist nicht fair. Nicht fair, weil man mit der Angst der Menschen spielt um sie für sich zu gewinnen und weil es nur die halbe Wahrheit ist: Wer garantiert, dass die SCA in Witzenhausen bleibt, wenn das Ersatzbrennstoffkraftwerk gebaut wird?



Der Artikel aus der HNA, Region Hofgeismar:
Müll-Vertrag gibt Kreis Sicherheit

HOFGEISMAR. Susanne Selbert bleibt gelassen. Die Chefin des Eigenbetriebs Abfallentsorgung des Landkreises Kassel kann die Nachricht, dass sich der Bau des SCA-Heizkraftwerks in Witzenhausen wahrscheinlich um ein Jahr verzögert, nicht aus der Ruhe bringen. Begründung: Es gebe einen Vertrag, nach dem die Firma Herhof (Solms-Niederbiel) das Risiko bei der Verwertung des Landkreismülls zu tragen habe.

Das bestätigte Andreas Puchelt, Vertriebsleiter der Firma Herhof. Um die Zeit bis zum Start des Heizkraftwerks in Witzenhausen zu überbrücken fahre Herhof zweigleisig. Zum einen gebe es Kontakte mit Kraftwerks- und Zementindustrie, um Stabilat zu verbrennen. Zum anderen prüfe Herhof, wo es Kapazitäten gibt, um das Stabilat zwischenzulagern. Dadurch entstehende Mehrkosten werde Herhof tragen, so Puchelt.

Der schwedische Papierkonzern SCA will in dem Kraftwerk Trockenstabilat, also getrockneten Müll, aus dem zuvor Metalle herausgenommen wurden, verbrennen. Die Firma Herhof wird das Stabilat in Mecklar-Meckbach (Kreis Hersfeld-Rotenburg) erzeugen und nach Witzenhausen liefern, wenn das Heizkraftwerk steht. Die Stabilatanlage in Mecklar, die Herhof baut, wird nach Auskunft Puchelts bis Mitte nächsten Jahres fertig sein.

Die Landkreise und kreisfreien Städte, verpflichtet zur Müllentsorgung, dürfen unbehandelten Restabfall nur noch bis 1. Juni 2005 auf die Deponien karren.

Vier nordhessische Kreise, darunter der Landkreis Kassel, haben die Trockenstabilatlösung gewählt. Der Landkreis Kassel, so die Abfallbetriebsleiterin, wird maximal 60  000 Tonnen Restabfall und Sperrmüll ab nächstem Jahr nach Mecklar liefern. Dies zu einem Preis von 86 Euro pro Tonne, einschließlich Transport. Um nicht unnötig Müll über die Straßen zu karren, werde an einem Logistikkonzept gearbeitet. Damit könne es so sein, dass Landkreismüll im Müllheizkraftwerk in Kassel lande, während dieselbe Müllmenge des Schwalm-Eder-Kreises wegen der räumlichen Nähe zum Stabilatwerk nach Mecklar gebracht werde. Die Deponie Kirschenplantage in Hofgeismar wird der Landkreis nach Selberts Worten weiterhin nutzen. Hintergrund: Der Kreistag hat in seinem Beschluss, Mülltourismus zu vermeiden und auch auf einen Transport des Stabilats per Schiene von Mecklar nach Witzenhausen Wert gelegt.

Der Restabfall der Kasseler Haushalte wird im Müllheizkraftwerk in Bettenhausen verbrannt. Die Anlage ist nach Auskunft von Sabine Herms, Pressesprecherin der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH (KVV), bis 2020 ausgelastet. Dafür sorgen Verträge der Müllheizkraftwerk GmbH mit dem Schwalm-Eder-Kreis und dem Kreis Marburg-Biedenkopf. FOTO: PRIVAT  /NH

Online erschienen am: 28.09.2004 22:27
http://www3.hna.de/index.php?page=a-hog&command=setvar:module-content-search:filename='/www/htdocs/hna/content/ausgaben/hog/473907069/index.php'
30.09.2004