Ausschreibung mit Luftschlössern gewonnen?
Fachtagung erhärtet Vermutungen der FWG

Vorgeschichte
Hausmüll darf ab 2005 nicht mehr deponiert werden. So auch im Werra-Meißner-Kreis. Über eine Ausschreibung erhielt die Fa. Herhof den Auftrag zur zukünftigen Entsorgung. Die Fa. Herhof hat ein Verfahren entwickelt, mit dem man aus Hausmüll einen Ersatzbrennstoff für Kraftwerke, Stabilat genannt, herstellen kann. Doch nach der Ausschreibung wurde offenbar, dass die Fa. Herhof nicht ausreichend Abnehmer für das Stabilat hat. Ob die Lücke durch den Bau eines Ersatzbrennstoffkraftwerkes in Witzenhausen geschlossen werden kann ist bis heute nicht sicher.

Vermutung der FWG
In der damaligen Ausschreibung musste vom Bieter auch angegeben werden, wo die endgültige Verwertung stattfindet. Auf Nachfrage im Kreistag wurde der FWG mitgeteilt, dass Herhof den Verwerter gewechselt hat. Im Moment sei das Zementwerk in Rüdersdorf als Verwerter aktuell, man hoffe aber auf das Ersatzbrennstoffwerk in Witzenhausen als endgültigen Verwerter.
Die FWG vermutet schon lange, dass es für das Stabilat noch nie ausreichende Abnehmerkapazitäten gegeben hat und die Angaben von Herhof in der Ausschreibung, was die Vewertung des Stabilats betrifft, mehr als vage waren.

Verbrennungsergebnisse von Stabilat zu schlecht
In einer Fachtagung "Waste-to-Energy", Ende Januar in Düsseldorf, wurde die Problematik von Ersatzbrennstoffen in Kraftwerken behandelt. RWE Power berichtete dort, dass Mitverbrennungsversuche deutlich gemacht haben, dass die Mitverbrennung von gut aufbereiteten Sekundärbrennstoffen grundsätzlich möglich sei. Deutlich schlechtere Verbrennungsergebnisse wurden jedoch im Vergleich von aus Gewerbeabfällen und Siedlungsabfällen (Hausmüll) aufbereiteten Brennstoffen bei den Siedlungsabfällen festgestellt. Aus diesem Grund sei im Steinkohlekraftwerk Werne das Trockenstabilat ausgeschlossen worden.

Fazit
Nun ist klarer, warum es Herhof so schwer mit Abnehmern für das Stabilat hat. Wenn das Ersatzbrennstoffwerk in Witzenhausen nicht gebaut wird, was wird dann mit dem Stabilat? Zum in der Ausschreibung kalkulierten Preis wird es sich nicht verwerten lassen, da die Konkurenz der Brennstoffe aus Gewerbeabfällen höhere Zuzahlungen erforderlich machen werden, um das Stabilat überhaupt an den Mann bringen zu können.
Wenn das Werk in Witzenhausen gebaut wird muss sich erst erweisen ob die Kalkulation der von Herhof in der Ausschreibung vorgesehenen Zuzahlungen für die Verbrennung ausreicht.
Bei so vielen Unsicherheiten erscheint der Bau der Trockenstabilatanlage in Mecklar-Meckbach immer fragwürdiger.
13.2.2004