Mehr Investoren im Werra-Meißner-Kreis mit der A44?
Wolfhard Austen äüßert Zweifel
Auf den Artkel der Witzenhäuser Allgemeinen "Investoren halten sich zurück", vom 19.01.2004, antwortet Wolfhard Austen mit einem Leserbrief.

An die
Redaktion der
Witzenhäuser Allgemeinen

Leserbrief
Hauptverzögerer der A44 ist die Politik

Es fällt mir schwer zu glauben, dass ausgerechnet in Hessisch Lichtenau Investoren Schlange stehen würden, wenn der Bau der A44 nicht mit rechtlichen Problemen behaftet wäre. In Herleshausen wurde im Zuge der Wende direkt an der Autobahnabfahrt der A4 ein Industrie- und Gewerbbegebiet geschaffen - doch Unternehmen sind bis heute ausgeblieben.

Tatsache ist jedoch, dass der Hauptverzögerer der A44 die Politik selbst ist:
1. Die damalige Rot/Grüne Landesregierung brauchte über 3,5 (dreieinhalb) Jahre um die Planungen für den Bau einer Bundesstraßenerweiterung zwischen Kassel und Herleshausen aufzugeben um dann doch lieblos eine Autobahn zu planen. Im Juni 1991 stimmte die Wehretaler Gemeindevertretung einer Bundesstraßenplanung zu. Erst im Dezember 1994 wurde in Reichensachsen die Planung einer „REGIONALAUTOBAHN“ vorgestellt.
2. Das Ergebnis einer Bürgerbefragung und ein Beschluss der Gemeindevertretung in Wehretal im Frühjahr 1996, sowie unzählige weitere Einwände entlang der gesamten Trasse wurden ignoriert. Wer sich so provokant verhält darf sich über erfolgreiche Klagen nicht wundern.
3. Warum wurde das Planungsrecht nicht schon lange geändert, um Autobahnen schneller und mit höherer Sicherheit planen zu können? Grundsätzliche Klagen müssten spätestens nach dem Raumordnungsverfahren möglich sein und nicht erst am Ende der Planung.
4. Warum wird die Linie von Politikern bestimmt und nicht von Fachleuten? Dass zum Beispiel die A44 nicht am Kasseler Kreuz angeschlossen werden soll und bei Wehretal mittels fünf Kilometer Umweg über eine 180°-Spitzkehre geführt wird kann nicht das Werk von Fachleuten sein. Solch eine Planung kann nicht "GERICHTSFEST" sein.

So lange eine positive Entwicklung des Investitionsklimas der Regionen am Rande der neuen Bundesländer durch das Lohn- und Fördergefälle behindert wird, wird uns auch die A44 keinen wirtschaftlichen Aufschwung bringen können. Sie wird unter diesen Umständen zum weiteren Ausbluten beitragen. Neben den fehlenden aber unbedingt notwendigen Entlastungen der Bundesstraßenanwohner vom Durchgangsverkehr durch entsprechende Regelungen für den Schwerverkehr ein weiteres Aufgabenfeld wo der Politik Verzögerung, wenn nicht sogar Handlungsunfähigkeit, vorzuwerfen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfhard Austen


Der Artikel aus der Witzenhäuser Allgemeinen vom 19.1.2004:
Investoren halten sich zurück
Klage verzögert Autobahnbau

Werra-Meissner-Kreis. Durch den im Mai ergangenen Spruch des Bundesverwaltungsgerichtes Berlin (jetzt Leipzig) sind beim Bau der Autobahn 44 fast zwei Jahre verloren gegangen.
Darauf wies Landrat Dieter Brosey hin. Nach Affassung der obersten Richter war die Problematik, die sich aus der Europäischen Naturschutzrichtlinie Flora, Fauna, Habitat (FFH) ergibt, in einem Teilbereich nördlich von Hess. Lichtenau (Lichtenauer Hochebene) nicht ausreichend untersucht worden. Geklagt hatte der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Das Gericht forderte die Überprüfung möglicher Varianten.
Dies, so Brosey, habe dazu geführt, dass die FFH-Problematik für die gesamte Trasse der A44 neu beleuchtet werden muss, um die Planung für den Autobahnbau gerichtsfest zu machen. Mittlerweile bekommen der Werra-Meißner-Kreis und seine Wirtschaftsförderungsgesellschaft sowie die Stadt Hess. Lichtenau die Verzögerungen zu spüren: Wenn es um die Ansiedlung neuer Unternehmen geht, halten sich Investoren zurück. (WKE)
19.1.2004