Jahresrückblick 2003
"Geiz ist geil" auch im Werra-Meißner-Kreis

Ist der Teufelskreislauf noch zu stoppen? Die Belastungen der BürgerInnen durch Steuern, Beiträge und Gebühren steigen und steigen. Die Zahl der Erwerbstätigen mit einem ausreichenden Einkommen wird immer geringer. Viele junge Menschen finden keinen Ausbildungsplatz, beziehungsweise einen der Ausbildung/ dem Studium entsprechenden Arbeitsplatz. Der Leistungsdruck auf die (noch) Erwerbstätigen wird immer größer. Im Werra-Meißner-Kreis wird die Situation zusätzlich erschwert durch das Lohn- und Fördergefälle zu Thüringen. Unsere strukturschwache Region wird von jungen Menschen mehr und mehr verlassen. Dem Schönreden wird immer weniger geglaubt, immer mehr Menschen beteiligen sich nicht mehr an den Wahlen.

Januar
Ein Hochwasser macht aus dem neuen Knaus-Ganzjahres-Ferienpark bei Eschwege eine Insel. Die Natur hat wieder einmal bewiesen, dass sie nicht von Menschen beherrschbar ist.

Nach der ersten Erhöhung der Tabaksteuer im Jahre 2002 um einen Cent pro Zigarette kommt zum Jahresstart 2003 der nächste Schritt: Die raucher müssen einen Cent mehr pro Kippe ausgeben.


Februar
Die Landtagswahl erschüttert die SPD-Hochburg im Werra-Meißner-Kreis:
Die SPD Kandidaten Quanz und Franz verlieren ihre Wahlkreise an die CDU Kandidaten Brückmann und Scholz! Franz auf Listenplatz 38 nicht mehr im Landtag! Die CDU bekommt in vielen Städten und Gemeinden des Werra-Meißner-Kreises mehr Stimmen als die SPD!

Am 13.2. startet der Film "Goodbye Lenin" in den Kinos. Die Geschichte über eine Mutter, die in Ost-Berlin die Wende im Koma verschlief. Ein Film, der auch bei vielen Menschen im Werra-Meißner-Kreis Erinnerungen an die Zeit mit der DDR weckte.


März
Der SCA-Konzern kündigt an in seiner Papierfabrik in Witzenhausen ein Ersatzbrennstoffwerk bauen zu wollen. In erster Linie soll dort Stabilat aus Restmüll der Firma Herhof aus mehreren Anlagen in Deutschland verbrannt werden. Doch bisher blieb es bei der Ankündigung

Der Golfkrieg beginnt.
Am 14. März kündigt Kanzler Gerhard Schröder vor dem Bundestag ein auch in der SPD umstrittenes umfassendes Reformpaket und milliardenschwere Einschnitte in das Sozialsystem an.

April
Anlässlich der Eröffnungsfeier zum 750jährigen bestehen des Ortes Reichensachsen am 18.1.2003 kündigte die Regierungspräsidentin in ihrer Festrede im Bürgerhaus an, dass im laufenden A44-Spitzkehre-Planfeststellungsverfahren im Mai die Anhörung aller die Einwände erhoben haben erfolgen soll. Im April wird bekannt, dass daraus 2003 nichts wird. Ob die Anhörung 2004 erfolgen wird ist immer noch offen.

Am 16. April wird in Athen die EU-Erweiterung um 10 neue Mitgliedsstaaten beschlossen. Am 1. Mai 2005 kommen Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern dazu. Der Ost-West-Handel wird weiter zunehmen und der Lkw-Verkehr im Werra-Meißner-Kreis auch.

Mai
Der Chefredakteur der Werra Rundschau verbreitet im Zusammenhang mit der Eschweger Bürgermeisterwahl, die Eschweger FWG sei zu “unfreien Freien verkommen“, weil man sich in der FWG über eine Bürgermeisterkandidatenempfehlung uneinig sei. Eine Gegendarstellung der FWG wurde von der Werra Rundschau abgelehnt. Viele Pressemitteilungen der Freien Wähler des Werra-Meißner-Kreises wurden 2003 von der Werra Rundschau nicht veröffentlicht.

Neue Bahnpreise sollten einfach und flexibel sein: früh buchen - viel sparen. Doch das neue Tickesystem "Plan&Spar" ist ein Fiasko. Mitte Mai zieht Bahnchef Mehdorn die Notbremse: Manager müssen gehen, die abgeschaffte Bahncard 50 kommt zurück.


Juni
Eschwege hat seinen Bürgermeister gewählt! Oder doch nicht?
60,56% der WählerInnnen und Wähler bestätigten Jürgen Zick im Amt
20,13% gaben Ihre Stimme Dirk Handwerk und
19,31% Stefan Schneider.
43,22% der WählerInnen und Wähler fanden den Weg ins Wahllokal.
56,78% haben den Kandidaten ihre Stimme versagt und blieben zu Hause.
Umgerechnet auf alle Eschweger Wahlberechtigten hat der Wahlsieger Jürgen Zick gerade mal von rund 26% seine Stimmen bekommen.


Einkaufen nach Herzenslust und ohne zeitlichen Stress ist seit Juni 2003 auch am Samstag möglich, denn bis 20 Uhr können die Läden geöffnet haben. Im Werra-Meißner-Kreis nutzen nur wenige Geschäfte die neue Möglichkeit.

Juli
In Neu-Eichenberg soll ein Logistikzentrum des Gazely-Konzerns entstehen. Im Juli wird ein Zeitplan aufgestellt. Danach soll Mitte 2004 die Entscheidung der Regionalversammlung über eine Änderung des Raumordnungsplanes fallen, den die Gemeindevertretung noch beantragen muss. Eine Bürgergruppe will das Logistik-Zentrum verhindern.

Bundesregierung und Opposition einigen sich auf eine gemeinsame Gesundheitsreform. Um die Krankenkassen-Beiträge zu senken, bürden sie den Versicherten Milliarden-Lasten auf.

August
Die B7 ist im Werra-Meißner-Kreis ab Wichmannshausen Richtung Eisenach für den Lkw-Verkehr gesperrt. Es wird bekannt, dass im Hessischen Wirtschaftsministerium daran gearbeitet wird, die B7 auch in diesem Abschnitt für den Lkw-Verkehr freizugeben. Die FWG setzt sich im Kreistag für eine Resolution gegen die Freigabe ein. An anderen Stellen werden weitere Einwände erhoben. Am Ende bleibt es beim Lkw-Verbot.

Der Sommer bringt eine noch nie dagewesene Hitzewelle. Wissenschaftler bestätigen, dass wir uns mitten in einem Klimawandel befinden.

September
Wahre Wunderdinge erwartet man in Eschwege von der Reaktivierung des Bahnhofs in der Stadt. Ein regelrecht neuer Stadtteil mit Einkaufsmöglichkeiten soll am Bahnhof entstehen. Man erhofft sich durch den Bahnhof Impulse für einen wirtschaftlichen Aufschwung und den Tourismus. Kosten soll das ganze Spektakel 39 Millionen EURO und Ende 2006 will man fertig sein.
Zur Zeit muss der Eschweger Zugreisende zum Bahnhof Eschwege-West. In Eschwege West sollen heute täglich 800 Fahrgäste in die Züge steigen. Für den Bahnhof in Eschwege erwartet man 1700 Fahrgäste mehr – also insgesamt 2500 Fahrgäste ab 2006 täglich – mehr als das Dreifache!!!
Wenn man sich da nicht verrechnet hat.

So tief ist die SPD in Bayern bei der Landtagswahl noch nie gesunken. Nur noch 19,6 Prozent der Wähler machen bei den Genossen ihr Kreuz. Dafür erzielt die "Staatspartei" CSU erstmals die Zweidrittelmehrheit. Die Freien Wähler, die zum zweiten mal teilnahmen, erhielten 4%.

Oktober
Die Treasury Holding aus Irland übernimmt die ins schlingern geratene Fa.Herhof, über die ab 2005 der Restmüll des Werra-Meißner-Kreises in einer Stabilatanlage entsorgt werden soll. Wo das dabei entstehende Stabilat verwertet wird bleibt weiter unklar, auch weil sich die SCA noch nicht für ein Ersatzbrennstoffwerk in Witzenhausen entschieden hat. In Witzenhausen hat sich mittlerweile eine Bürgerinitiative gebildet, die ein Ersatzbrennstoffwerk ablehnt.

Bundesfinanzminister Hans Eichel legt eine Rekordverschuldung vor. Kredite über 43,4 Milliarden Euro müsse er für das laufende Jahr aufnehmen, räumt Eichel bei der Präsentation des Nachtragshaushalts ein. Ursprünglich angepeilt waren 18,9 Milliarden. Verantwortlich für die Horror-Zahlen macht der Minister vor allem riesige Steuerausfälle und die hohen Kosten der Arbeitslosigkeit

November
Am 11.11.2003 tagte die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Werra-Meißner. In der Versammlung wurde bekannt gegeben, dass im wesentlichen durch die Erhöhung der Deponiegebühr von 169 EURO/Gewichtstonne auf 196 EURO/Gewichtstonne eine Erhöhung der Müllgebühren unumgänglich ist. Der Versammlung wurde ein Gebührenentwurf der ab 2004 gültig sein soll vorgelegt. Danach sollen die Gebühren um rund 18% steigen.

Lkw-Maut auf Bundesautobahnen: In nur elf Monaten wollte das Konsortium Toll Collect ein innovatives System zur Erfassung der Lkw-Maut aufbauen. Drei Wochen vor dem Start wurden ernste Probleme aufgedeckt. Es ist unklar, ob das System überhaupt in Betrieb geht.

Dezember
Mit mehr als 13 Mill. € Fehlbetrag stellt der vorgelegte Kreishaushalt für 2004 einen neuen Minusrekord auf. Die seit Jahren andauernde Finanzkrise der Kommunen hat sich weiter verschärft und wird - wenn es nicht endlich wirtschaftlich aufwärts geht und in Folge Arbeitsplätze entstehen - in absehbarer Zeit nicht zu lösen sein. Die Verhandlungen der Parteien, von Bundestag und Bundesrat zur Gemeindefinanzreform werden aus Sicht der FWG eher zum politischen Muskelspiel missbraucht als zum Wohle der Kommunen. Es wird sich daher auch politisch in absehbarer Zeit nicht wirklich etwas ändern.

Das Vertrauen der Bundesbürger in die gesetzliche Rente ist schlecht. 92 Prozent sind davon überzeugt, dass die Rente nicht mehr sicher ist. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Finanzdienstleisters AWD kam zu diesem Ergebnis. 83 Prozent glauben, dass künftig mehr Rentner als bisher in Armut leben werden.
30.12.2003