Gemeinsamer Gewerbepark von Eschwege und Wehretal
"Wir empfangen jeden Betrieb mit offenen Armen"
Zum Artikel der Werra Rundschau vom 17.10.2003:
„Eine Million Quadratmeter für neue Firmen"
(den Artikel finden Sie am Ende des Leserbriefes)
schrieb Herr Volker Stück aus Wehretal an die Werra Rundschau einen Leserbrief den er auch dem FWG Journal zuleitete:

"In den Sand gesetzt ? - Die A 44 als Jobmotor

250.000 Euro wollen Wehretal und Eschwege bis zur Erschließung eines 1.000.000 qm großen Gewerbeparkes entlang der Wehre investieren und hoffen auf Ansiedlung gewerbliche (Groß-)Investoren.

So sehr der Region ein solcher Erfolg gegönnt sei, so sehr scheint diese Vorstellung an den wirtschaftlichen Realitäten vorbeizugehen. Der Verfasser arbeitet in einem der umworbenen Großunternehmen, welches international tätig und im DAX vertreten ist. Im Rahmen eines international besetzten Projektes ist er z.Z. in leitender Personalfunktion am Aufbau eines neuen Produktionswerkes in Moskau tätig. Den Wunschvorstellungen einer verbeamteten Bürokratie, die scheinbar nur in ihren administrativen Maßstäben zu denken vermag, möchte er seine ganz persönlichen Erfahrungen in einem Global Player Unternehmen entgegensetzen:

Investitionsentscheidungen werden heute nach umfassenden Kennzahlenvergleichen (sog. benchmarks) getroffen. Dies betrifft nicht nur Großunternehmen, sondern auch mittlere und kleinere Betriebe, die sich zunehmends verlängerte Werkbänke, Outsourcings und sog. Off-Take Produktionen im In- und Ausland bedienen. Da die Rohstoffkosten in einer globalen Wirtschaft weitgehend angenähert sind, sind es letzten Endes die
Herstellungs-/Arbeitskosten,
rechtlichen Rahmenbedingungen (Arbeits-, Sozial-, Steuer-, Zoll-, Umwelt-, Planungsrecht) und
Marktpotentiale,
die ausschlaggebend für die Standortfrage in- wie ausländischer Investoren sind. Da Kapital und Güter zudem heute weltweit verfügbar bzw. transferierbar sind, suchen sie sich die günstigsten Bedingungen im Wettbewerb.

Damit ein Laie sich davon ungefähr eine Vorstellung machen kann, um was es hier geht, folgendes Beispiel:

Produktions-/Kosten-Faktor
Deutschland Moskau

Arbeitskosten Prod-Mitarbeiter
Deutschland: ca. 2.000 Euro --- Moskau: ca. 200 - 400 Euro

Arbeitszeit/Woche
Deutschland: 35 - 38 Std. --- Moskau: 40 Std.

Urlaubwochen/Jahr idR
Deutschland: 6 Wochen --- Moskau: 5 Wochen

Einkommenssteuersatz
Deutschland: wissen Sie selbst --- Moskau: 13 % fix

Die Frage der Logistikkosten - also, ob man die Autobahn A 44 vom Standort aus sieht oder von dort selbst gesehen wird - ist dabei ziemlich unbedeutend. Warum wohl werden Nordseekrabben heute nach Algerien oder Polen zum (billigeren) Pulen und anschließend nach Deutschland zurück zum Verkauf gebracht ? Wer glaubt, die A 44 werde sich zum Jobmotor für die Region entwickeln, denkt viel zu kurz.

Bevor man also große Mengen öffentlicher Gelder in den (Wehre-)Sand setzt, ein weiteres Stück wertwoller Natur verbaut und - nicht sehr unwahrscheinlich - eine unrühmliche Ehrung im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes landet, müssen die Verantwortlichen die Frage beantworten, wer sich hier konkret aus welchen Gründen ansiedeln will und welche verbindlichen Zusagen es dafür gibt. Sonst scheint die Investition wirtschaftlich nicht gerechtfertigt. Man schaue nur in die neuen Bundesländer: Große Flächen bestens erschlossener Industriegebiete liegen dort seit Jahren brach - die Investitionen sind aus den o.g. Gründen einige hundert km weiter in den Osten (Tschechien, Polen, Russland etc.) gewandert.

Wenn sich dies in ca. 5 - 10 Jahren in Wehretal wiederholen sollte, sage keiner der Verantwortlichen - die dann größtenteils im Ruhestand sein werden - er hätte davon nichts gewusst.“



Der Artikel der Werra Rundschau vom 17.10.2003:

"Eine Million Quadratmeter für neue Firmen
Gemeinsamer Gewerbepark in unmittelbarer Nähe zur neuen Autobahn

„Die Planung muss fertig sein, wenn die Autobahn befahrbar ist", sagt Eschweges Bürgermeister Jürgen Zick, und sein Wehretaler Amtskollege Horst Dietzel sowie Erster Stadtrat Matthias Sadowsky (Eschwege) stimmen ihm zu: „Sobald die Autobahn 44 zwischen Kassel und Herleshausen in Betrieb genommen wird, müssen wir den ansiedlungswilligen Unternehmen signalisieren: Wir können liefern."

Die Kommunen müssten dann handlungsfähig und die Planung fertig sein und nicht erst aufgenommen werden.

Einmalig für die Region haben sich die zwei benachbarten Kommunen zusammengetan und begonnen, ein gemeinsames Gewerbegebiet auszuweisen. Zwischen Reichensachsen im Süden und dem Eschweger Stadtteil Oberhone im Norden, westlich begrenzt von der Bahnlinie und im Osten von der Landesstraße sollen Ansiedlungsflächen in einer Größenordnung von insgesamt einer Million Quadratmeter erschlossen werden. Das sei richtungsweisend. Selbst Großunternehmen können bedient werden.

Lange Planung
Für Bürgermeister Zick sind die Bemühungen ein wichtiges Stück Zukunftsvorsorge. „Wir richten den Blick nach vorn", sagt er. Immerhin vergehen vier bis fünf Jahre zwischen der Idee zu dem gemeinsamen Projekt und der ErschlieBungsreife. Der Regionale Raumordnungsplan muss geändert werden. Zahlreiche Voruntersuchungen sind fällig. Stück für Stück gehen die Kommunen vor, klopfen die Machbarkeit ihres Vorhabens ab. Mit den beteiligten Behörden werden Gespräche hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit geführt. Immerhin wird mit Investitionen in Höhe von 250.000 Euro bis zur Erschließungsreife gerechnet. Dazu gibt es allerdings satte Zuschüsse. Eschwege und Wehretal sind optimistisch, dass die großen Pläne verwirklicht werden können. Die Machbarkeitsstudie eines Ingenieurbüros stützt diese Einschätzung. „Die Investitionen sind nicht mit einem hohen Risiko behaftet", sagt Jürgen Zick und verweist auf die enge Abstimmung mit den Fachbehörden.

„Die zentrale Lage mit der hervorragenden Verkehrsanbindung ist der große Vorteil des Gewerbeparks", so Bürgermeister Horst Dietzel, und weiter: „Wir kennen keinen vergleichbaren Standort, an dem das nicht funktioniert hätte." Die Autobahn 44 sei in unmittelbarer Nähe. Die Bundesstraße 27 schaffe die schnelle Anbindung zu den Autobahnen 7 und 38.

Nähe zur Autobahn
Der Anschluss an das Schienennetz sei problemlos möglich und ein weiterer Pluspunkt. Und die Autobahn könne gar nicht nah genug an den Gewerbeflächen liegen, glaubt Matthias Sadowsky: „Die Investoren wollen die Autobahn von ihrem Standort aus sehen und selbst von der Autobahn gesehen werden. " Das sei auch eine Sache der Psychologie.

Großbetriebe aber auch kleinere Unternehmen können nach Ansicht der Partner in dem zukünftigen Gewerbegebiet eine neue Heimat finden. „Wir empfangen jeden Betrieb mit offenen Armen", so Zick. In jedem Fall soll das Gelände modellhaft erschlossen w erden. Erster Stadtrat Sadowsky spricht von einer Symbiose zwischen Gewerbe und Natur. Auch optisch müsse das Projekt in die Natur passen.

Ebenso willkommen wie gewerbliche Investoren, sind andere Kommunen zum Mitmachen eingeladen. Es sei durchaus vorstellbar, dass sich weitere Städte und Gemeinde an der Planung und Erschließung beteiligen, sind sich die heutigen Partner einig."
19.10.2003