Hat die FDP im Kreistag geschlafen?
Im heutigen Artikel der Witzenhäuser Allgemeinen “Bahnanschluss für SCA nicht realistisch“ wirft der FDP Kreisverband den Grünen vor “Überlegungen mit der Schiene seien reinste Augenwischerei“. Wer so etwas wolle müsse auch “ein Zeit- und Finanzierungskonzept beifügen“.
Und genau ein solches Konzept hat die FWG-Kreistagsfraktion in der letzten Kreistagssitzung beantragt:

“Der Kreisausschuss wird beauftragt
- festzustellen, ob der Stabilattransport von Mecklar-Meckbach zur Papierfabrik SCA nach Witzenhausen nicht doch auf der Schiene möglich ist und wie die Finanzierung der nötigen Investitionen (z.B. Gleisanschluss und Transportmittel) unter Berücksichtigung aller möglichen Zuschüsse und die Beteiligung anderer Brennstofflieferanten, z.B. die Stabilatanlage bei Trier mit 110.000 Jahrestonnen, aussehen könnte.“

Am 28. August wird der Antrag im Umwelt- und Finanzausschuss behandelt. Hat die FDP etwa im Kreistag geschlafen?
Weiterhin scheint die FDP zu verkennen, dass sich die Situation, die damals zur Stilllegung des SCA-Gleisanschlusses geführt hat, grundsätzlich geändert hat. Die Belastungen der Bundesstraßenanwohner durch den immer stärker werdenden Lkw-Verkehr sind mittlerweile unzumutbar. Das Trockenstabilat bietet sich geradezu zum Transport auf der Schiene an, weil es kontinuierlich über Jahrzehnte in großen Mengen produziert und nur zwischen festen Orten transportiert wird. Ein weiterer noch größerer Lkw-Magnet als die SCA wird der Magna-Park in Neu-Eichenberg werden.
Daher muss aus Sicht der FWG-Kreistagsfraktion alles mögliche unternommen werden, damit nicht mehr Lkw auf unseren Straßen rollen als unbedingt nötig.


Der Artikel aus der Witzenhäuser Allgemeinen:

„Bahnanschluss für SCA nicht realistisch"
FDP-Kreisvorstand zu Überlegungen der Anlieferung von Trockenstabilat über die Schiene

WITZENHAUSEN. Auch der FDP-Kreisvorstand WerraMeißner sehe es gern, wenn die zukünftig anfallenden und in einem neuen Kraftwerk der Papierfabrik SCA in Witzenhausen verwerteten Trockenstabilatmengen mit der Bahn angeliefert werden könnten. Solche Vorstellungen bewegten sich aber jenseits aller realistischer Chancen, bedauert Vorstandsmitglied Rolf Feldmann (Witzenhausen). Zum einen sei ein Bahnanschluss an die noch zu errichtende Stabilatanlage in Mecklar-Meckbach im Nachbarkreis Hersfeld-Rotenburg ein „nicht zu schulternder Finanzaufwand", zum anderen sei der Bahnanschluss in Witzenhausen in Richtung Gelstertal bereits vor einigen Jahren von der DB-Netz aufgegeben worden und eine Revitalisierung der Strecke nicht in Sicht.

Deshalb seien Überlegungen mit der Schiene „reinste Augenwischerei", reagiert Feldmann auf Äußerungen von Bündnis 90/Die Grünen die einen Bahnanschluss im Gelstertal für realistisch hielten. Einem ernst zu nehmenden Antrag müsste die ÖkoPartei gleichzeitig ein Zeit- und Finanzierungskonzept beifügen, forderte er.

Als „ein viel wichtigeres Argument" führt der Liberale noch ins Feld, dass weniger als die Hälfte der über 240 000 Tonnen Stabilat, die in Witzenhausen pro Jahr verwertet werden sollen, aus Mecklar-Meckbach kommen. Entsprechend würden weitere Mengen, die aus anderen mechanisch-biologischen Stabilatanlagen in Deutschland hergebracht werden müssten. (SFF)
18.8.2003