Der Bundeskanzler will die Wirtschaft in Schwung bringen und auch Bereiche des Handwerks umstrukturieren. Das gefällt den Handwerkern des Werra-Meißner-Kreises gar nicht.
Mit Schreiben vom 7.4.2003 erhielten wir von der Kreishandwerkerschaft eine Resolution zur Regierungserklärung des Bundeskanzlers vom 14.3.2003.
Im Begleitschreiben heißt es:
“Die Unzufriedenheit unserer rund 1.100 Handwerksbetriebe im Werra-Meißner-Kreis hat sich in den letzten Jahren ständig gesteigert und gerade nach der Rede des Bundeskanzlers vom 14.3.2003 bangen viele Betriebe um Ihre Existens bzw. haben Zukunftsängste.
Wir erwarten, dass die von uns vorgetragenen Meinungen, Forderungen und Warnungen ernst genommen werden.

Die FWG begrüßt die Bemühungen der Handwerker. In vielen Feststellungen der Resolution spiegelt sich unser Handeln und Denken wieder. Erst in der letzten Kreistagssitzung haben wir an die Parteienvertreter im Kreistag apelliert sich endlich für die Beseitigung der Benachteiligungen unserer Wirtschaft im Werra-Meißner-Kreis gegenüber Thüringen einzusetzen.

Hier die Resolution der Kreishandwerkerschaft:

Resolution der Handwerker im Werra-Meißner-Kreis
zur Regierungserklärung des Bundeskanzlers vom 14. März 2003

Das Handwerk im Werra-Meißner-Kreis hatte gehofft, mit der Regierungserklärung des Bundeskanzlers, klare Zeichen für einen Aufwärtstrend und die Bestandssicherung, zu erhalten. Leider können wir dieses nicht erkennen und befürchten eine weitere Aufweichung des Qualitätsstandards und damit verbundenes Betriebssterben und Rückgang der Ausbildungsbereitschaft.

Mag sein, dass durch den Vorschlag, der automatischen Zulassung zur handwerklichen Selbständigkeit nach 10jähriger Berufstätigkeit, die Zuerkennung der Ausbildereignung nach 5 Jahren sowie die Abschaffung des Meisterbriefes in, verschiedenen Gewerken, kurzfristig eine Veränderung der Betriebslandschaft erreicht werden kann. Dieses aber zu dem Preis, dass die Qualität der Handwerksleistung und Berufsausbildung stark absinkt. Denn der Binnenmarkt, in dem das Handwerk vorwiegend tätig ist, ist nicht beliebig zu vergrößern, lediglich die Verteilung würde anders vorgenommen. Weg von der Qualität, hin zum Pfusch und zur minderen Quantität.

Auch besteht die Gefahr, dass bestehende Handwerksbetriebe durch Neugründungen von nicht meisterlich ausgebildeten und unerfahrenen Gesellen, damit verbundenem Lohndumping bzw. unseriösen Kalkulationen zur, Betriebsaufgabe gezwungen werden. Sicherlich ist eine weitere Modernisierung der Handwerksordnung nötig, aber die darf nicht auf Kosten der Qualität von Handwerksleistung und notwendiger Berufsausbildung gehen. Das Handwerk war in den vergangenen Jahren immer ein zuverlässiger Partner in der Berufsausbildung. Ausbildungsziele wurden erfüllt und sogar übertroffen. Junge Handwerker sind in der gesamten Wirtschaft anerkannte Arbeitnehmer.

Dies wird es dann zukünftig nicht mehr geben, da „Gesellenhandwerker" keinen Wert auf Ausbildungsleistungen legen. Der Weg zur Verstaatlichung der Ausbildung, weg vom betrieblichen Lernen, ist vorgezeichnet. Staatliche Ausbildung hat sich nie am Markt orientiert und verursacht nur Unsicherheit und weitere staatliche Regulierungsohnmacht, gänzlich abgesehen von den Kosten. Geeignete und bewährte betriebliche Ausbildungsformen werden durch unüberlegtes Handeln und Kurzsichtigkeit der Politik geopfert.

Schon jetzt gibt es ein riesiges Überangebot an gut ausgebildeten Meistern, die gern eine Existenz gründen wollen, aber angesichts der schlechten Rahmenbedingungen (schlechte Zukunftsaussichten, fehlende Kreditbereitschaft, geringes Eigenkapital, hohe Betriebs- und Lohnnebenkosten, Schwarzarbeit) den Weg in die Selbständigkeit meiden. Nicht die Qualitätsausbildung zum Meister seines Handwerks ist Hindernis zur Selbständigkeit, sondern die politischen Rahmenbedingungen.

Gerade in der Region Werra-Meißner, können die Betriebe aus den neuen Bundesländern immer wieder günstigere Angebote machen und schaden der heimischen Wirtschaft, da es nach 14 Jahren immer noch nicht gelungen ist, die wirtschaftlichen und kalkulatorischen Werte anzugleichen.

Wir appellieren, die Probleme und Rahmenbedingungen richtig anzugehen. Eine Aufweichung der Handwerksordnung ist mit Sicherheit der falsche Weg, wir brauchen endlich ein klares Signal, damit sich der Mut zur Selbständigkeit und das selbständige Arbeiten und die eigene Existenz in Deutschland wieder lohnen.

Eschwege, den 01. April 2003

Kreishandwerkerschaft
Werra-Meißner


11.4.2003