Wirtschaftlichkeit kein Thema?

Macht erst die indirekte Subventionierung über Müllgebühren den Bau und Betrieb möglich?


Lob in den höchsten Tönen
In der heutigen Ausgabe der Witzenhäuser Sonntagszeit wird berichtet, dass die Firma SCA Packaging (Papierfabrik) in Witzenhausen ihr 28 Jahre altes Gaskraftwerk durch ein Trockenstabilat-Verbrennungskraftwerk ergänzen (das Gaskraftwerk soll weiter zur Verfügung stehen um bei Ausfallzeiten der Stabilat-Verbrennung eingesetzt werden zu können) will. Das Vorhaben wird in den höchsten Tönen gelobt.
So soll
- durch die Umstellung eine deutlich Reduzierung bei der Kohlendioxiderzeugung erreicht werden,
- es ein positives Signal in schlechten wirtschaftlichen Zeiten sein,
- es sich positiv auf die Stabilität der Müllgebühren auswirken,
- es einen Weiterbetrieb der kreiseigenen Mülldeponie durch Anlieferung der Asche ermöglichen.

Trockenstabilathersteller in der Krise
Trockenstabilat wird aus Restmüll hergestellt. Ab 2005 soll der Restmüll des Werra-Meißner-Kreises in einer noch zu errichtenden Trockenstabilatanlage der Fa. Herhof in Mecklar, Kreis Hersfeld-Rotenburg, verarbeitet werden. Dazu wurde zwischen der Firma Herhof und dem Werra-Meißner-Kreis ein Vertrag über 20 Jahre abgeschlossen. Doch die Firma Herhof steckt in einer großen Krise, endgültig ausgelöst durch den Rückzug der Eon/EAM aus zwei Projekten bei Koblenz und Osnabrück.
Eins der Probleme war es bisher, Abnehmer für das Trockenstabilat nachzuweisen.
Das Vorhaben der SCA würde dieses Problem beseitigen.

Günstige Konditionen für die Papierfabrik
Die SCA ist schon länger Vertragspartner des Werra-Meißner-Kreises und des Abfallzweckverbandes. Für einen Tonnenpreis von rund
50 EURO bringt sie große Mengen Spuckstoffe als Abdeckmaterial auf die Kreismülldeponie. Der Tonnenpreis für Restmüll beträgt rund 200 EURO! Das im Kreis eingesammelte Altpapier kauft sie auf. Die Bürgerinitiative "Bürger für eine leistungsgerechte Müllgebühr vermutet, dass der Erlös für das Altpappier weit unter dem üblichen Marktpreis liegt.

Auch der Müllpolitik aus einer misslichen Situation geholfen
Und nun will die SCA das Müllgeschäft durch den Bau einer Verbrennungsanlage für Stabilat, für dass sich bisher kaum Abnehmer gefunden haben, erweitern. Werden ihr dabei wieder günstige Konditionen eingeräumt, damit sich die Sache für SCA überhaupt wirtschaftlich verantworten lässt?
Schließlich hilft die SCA der Müllpolitik des Kreises auch aus einer misslichen Situation. Wo solte der Restmüll ab 2005 hin, wenn Herhof pleite ginge?
So marode kann das Gaskraftwerk noch gar nicht sein, wenn es weiter Einsatzbereit gehalten werden soll.

Zahlzwang
Eins steht fest: Der Müllgebührenzahler hat durch den Anschluss- und Benutzerzwang keine Wahlmöglichkeit, er muss die Müllentsorgung, ob sie günstig ist oder nicht, in Anspruch nehmen und bezahlen.
02.3.2003