Besser mit gutem Beispiel vorangehen
Bundesfinanzminiter Eichel beklagt sich auf der Titelseite der HNA-Sonntagszeit vom 8.12.2002 über eine gefährliche Entwicklung in der politischen Kultur. Je kleiner die Differenzen seien, desto lauter und unqualifizierter würden sie vorgetragen. Die Opposition solle sich besser an der Suche nach sinnvollen Lösungen beteiligen.
Eichel hätte vorher mal besser in den Spiegel geschaut. Dort hätte er gesehen, dass er zu den zitierten Worten selber nicht steht. Dazu nur ein Beispiel:

Als Hessischer Ministerpräsident hat er sich nach der Grenzöffnung zuerst für einen Ausbau der Bundesstraßen zwischen Kassel und Eisenach eingesetzt. Die Planungen für den Bau der A44 hat er damit um Jahre verzögert. Erst nach einem unseeligen Kompromiss zwischen ihm und dem damaligen Bundesverkehrsminister Krause stimmte er einer ortsnahen, sehr kostenintensiven, mit vielen Umwegen verbundenen Linienführung, die eigentlich der einer besseren Bundesstraße entspricht, zu. Beim A44-Spatenstich in Hessisch-Lichtenau wollte er von alldem nichts wissen und forderte den schnellen Bau der A44.
Heute als Bundesfinanzminister steht er vor leeren Kassen. Mit einer "sinnvollen" Lösung könnte er leicht rund 200 Millionen EURO beim Bau der A44 einsparen. Doch dazu müsste er einen Fehler den er in der Vergangenheit beging zugeben und korrigieren. Durch die von Eichel gewollte ortsnahe Planung entlang den Bundesstraßen macht die A44 zwischen Waldkappel und Sontra einen unnötigen Umweg von 5 Kilometern, der bei einer direkten ortsfernen Linienführung entfallen würde.

Es ist Eichels Pflicht als Bundesfinanzminister "sinnvollen" Vorschlägen nachzugehen. Er hat auch die Macht mit gutem Beispiel voranzugehen. Als Moralapostel, der es selbst nicht besser macht und nur von den Anderen besseres Handeln einfordert, dient auch er der politischen Kultur nicht.
9.12.2002